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Jüdische Geschichte und Judentum

Geschichte der Juden in Bayern tangiert viele Kapitel der bayerischen Landesgeschichte. Sie kennt wie kaum eine andere Minderheitengeschichte Zäsuren und Brüche, weist Phasen friedlichen Zusammenlebens von jüdischer und christlicher Bevölkerung ebenso auf wie Zeiten der bloßen Duldung, Ausgrenzung und gar Vernichtung.

Im 12. und 13. Jahrhundert wurden Juden in fast allen bayerischen Märkten und Städten ansässig, insbesondere in den wirtschaftlichen Zentren vor allem Unterfrankens entstand eine Vielzahl kleiner Gemeinden. Die Existenz der jüdischen Bevölkerung war jedoch stets prekär, lange währende Sicherheit gab es keine. Mancherorts genoss die jüdische Bevölkerung zumindest partiell als „kaiserliche Kammerknechte“ den Schutz der weltlichen Gewalt, dann war sie bereits im Mittelalter Pogromen, wie dem grausamen „Rindfleisch-Pogrom“ schutzlos ausgeliefert. Im 15. Jahrhundert erfolgte die entscheidende Zäsur: Juden mussten die bayerischen Territorien verlassen, im Jahre 1442 Oberbayern, im Jahre 1450 Niederbayern. Die Reichsstädte schlossen sich dieser Vertreibung an, zunächst Augsburg, dann Nürnberg und Regensburg. In der Folge entstanden jüdische Landgemeinden in den Territorien Frankens und Schwabens, die das jüdische Leben im Süden Deutschlands prägten. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem sich die Rechtsverhältnisse geändert hatten, setzte eine Landflucht ein und das Verhältnis zwischen jüdischer Stadt- und Landbevölkerung kehrte sich um. 

Im Kaiserreich, das der jüdischen Bevölkerung mit dem Reichsgesetz von 1871 die rechtliche und politische Gleichstellung zugebilligt hatte, waren Juden in Bayern wie in allen anderen Teilen des Deutschen Reichs aus dem wirtschaftlichen und öffentlichen Leben nicht wegzudenken. In Kunst, Literatur und Wissenschaft machten sich viele von ihnen einen Namen, darunter der Physiker Albert Einstein, der in München aufwuchs. Doch obwohl rechtlich gleichgestellt, erwiesen sich antisemitische Vorurteile zunehmend als integrationshemmend.

 Nicht lange währte die gesetzliche Gleichstellung. Der „Machtergreifung“ 1933 folgte die willkürliche und unerbittliche Entrechtung der jüdischen Bevölkerung. Auch hier führt manch bittere Spur nach Bayern. 1935 wurden die Nürnberger Rassegesetze beschlossen, drei Jahre später die Münchener und die Nürnberger Synagoge dem Erdboden gleichgemacht. Antijüdische Maßnahmen in Städten und Gemeinden mündeten in offenen Terror und organisierte Ermordung, der nur wenige entkommen konnten. Am Ende der nationalsozialistischen Herrschaft stand als schreckliche Bilanz die millionenfache Vernichtung jüdischen Lebens und die Zerstörung jüdischer Kultur.

Gerade jungen Menschen den Blick für den Verlust zu schärfen, den nationalsozialistischer Terror schuf, ist gesamtgesellschaftlicher Auftrag und ein essentielles Ziel des Geschichtsunterrichts aller Schularten. Schülerinnen und Schüler behandeln im Unterricht Zusammenleben und Konflikte von Juden und Christen aus geschichtlicher Perspektive, sie setzen sich   mit der Ideologie des Nationalsozialismus, mit Verfolgung und Holocaust auseinander und vertiefen ihre Einsichten im Rahmen von Exkursionen zu KZ-Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in Dachau oder Flossenbürg. Denn erst an den Orten des Schreckens selbst lässt sich das Ausmaß nationalsozialistischer Verbrechen tatsächlich ermessen.

Die folgenden Angebote  können im Vorfeld von Unterrichtsprojekten und lokalen Forschungen zur jüdischen Geschichte in Bayern nützlich sein.

Kommentierte Materialsammlung zur Vermittlung des Judentums

Gemeinsame Erklärung der Kultusministerkonferenz und des Zentralrats der Juden in Deutschland verabschiedet (8. Dezember 2016)

Lernzirkel zum Judentum in der ehemaligen Synagoge Ichenhausen

Projekt Synagogen-Gedenkband Bayern

Die Familie Chotzen - Lebensweg einer jüdischen Familie von 1914 bis heute

Jüdische Museen in Bayern

Weitere Projekte zur jüdischen Geschichte

Leo Baeck Institut

Ausgewählte Literatur und Internetlinks